MDR - Programmkürzungen gefährden kulturelle Vielfalt

Stellungnahme

Der MDR hat gestern seine Entscheidung kommuniziert, in den kommenden drei Jahren jährlich sechs fiktionale Filme etablierter und erfolgreicher Reihen wie TATORT und POLIZEIRUF auszusetzen. Die Begründung: Sparzwang wegen ausbleibender Rundfunkgebührenerhöhung. Die Entscheidung, einmal mehr am Programm zu sparen, hat schwerwiegende und dramatische Folgen für den schon massiv unter Druck stehenden fiktionalen Produktionsstandort Deutschland. 

Ausgerechnet bestehendes, etabliertes und auf Grundlage langjähriger Erfahrungswerte wirtschaftlich gut kalkulierbares Programm zu streichen, trägt nicht zu einer nachhaltigen Kostenstabilisierung bei. Dafür braucht es strukturelle Korrekturen im System – nicht die Schwächung eines zentralen kulturellen Pfeilers unserer fiktionalen Fernsehlandschaft.

Fiktion ist Unterhaltung und Unterhaltung ist kein freiwilliger Luxus des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der Medienstaatsvertrag (MStV) definiert in seinem § 26 den Auftrag wörtlich: „Die öffentlich-rechtlichen Angebote haben der Kultur, Bildung, Information und Beratung zu dienen. Unterhaltung, die einem öffentlich-rechtlichen Profil entspricht, ist Teil des Auftrags.“

Zahlreiche Produktionen werden verschoben, abgesagt oder ins Ausland verlagert. Die deutsche Film- und Fernsehbranche sichert laut Produktionsallianz rund 120.000 Arbeitsplätze und erwirtschaftet jährlich ein Volumen von über 10 Milliarden Euro. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist der mit Abstand wichtigste Auftraggeber des deutschen Produktionsmarktes. Ein weiterer Rückzug aus der Fiktion gefährdet daher nicht nur einzelne Produktionen, sondern die gesamte kreative und wirtschaftliche Infrastruktur des Standorts Deutschland.

Notwendige strukturelle Einsparungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk können nicht weiter einseitig zulasten des Programms und der kreativen Wertschöpfung erfolgen.

Wir appellieren daher dringend an MDR-Intendant Ralf Ludwig, an ARD-Programmdirektorin Christine Strobl und ZDF-Intendant Dr. Norbert Himmler sowie an die politischen Entscheidungsträger:innen, die Auswirkungen dieser Entwicklung nicht isoliert als Sparmaßnahme zu betrachten. Der fortlaufende Abbau fiktionaler Produktion gefährdet nachhaltig die kulturelle Vielfalt, den kreativen Nachwuchs, die unabhängige Produktionslandschaft und tausende Arbeitsplätze in Deutschland. 

 

Der Vorstand